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Wort zum Karfreitag 2015

Wort zum Karfreitag

Der Karfreitag - ein Tag des Schreckens und des Todes und ein Tag des Dankes.

 

Für die Jünger und für alle, die Jesus nachfolgten, war der Karfreitag ein Tag des absoluten Schreckens und Entsetzens. Jegliche Hoffnung war dahin geschwunden. Wie sollte es nun weiter gehen? Die Menschen, die da unter dem Kreuz standen, ganz gleich, ob Anhänger und Freunde oder Gegner und Feinde Jesu, sahen einen Menschen qualvoll sterben.
Der Tod, das absolute Ende alles Seins und alles Handelns.
Was bis dahin nicht geschehen ist, geschieht nicht mehr. Zwar hatte Jesus mehrmals von seiner Auferstehung gesprochen, wie er auch sein Leiden nicht verschwiegen hat, aber angesichts dieses furchtbaren Sterbens dachte wohl kaum noch jemand daran. „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen!" Hatte der Verstorbene am Ende an sich selbst und seinem Auftrag Zweifel? Hatte er erkannt, dass er auf einem falschen Weg gegangen war, der unweigerlich in einer Katastrophe enden musste? Vieles deutete darauf hin.

 

Doch nicht lange nach diesem Schreckenstag zeigte sich, dass die Vermutungen nicht richtig waren, sondern das geschah, was Jesus gesagt hatte. Bald wurde deutlich, dass der Karfreitag nicht das Ende war, sondern nur eine Station, eine ganz furchtbare Station und zugleich eine entscheidende Station in dem Auftrag, mit dem Gott seinen Sohn in die Welt gesandt hatte.

 

Heute wissen wir, dass es nicht nur den Karfreitag gab, sondern auch den Ostermorgen. Trotzdem ist der Karfreitag ein Tag des Erschreckens geblieben, nicht allein wegen des Leidens Jesu, sondern vielmehr wegen der Ursache, die hinter diesem Leiden steht. Darüber kann man heute noch erschrecken, weil jeder Mensch auf dieser Welt zu diesem Leiden beigetragen hat. „O Mensch, bewein dein Sünde groß!" Dazu fordert ein Choral (EG Nr. 75) auf.

Der Karfreitag, ein Tag des Erschreckens darüber, was die Sünde angerichtet hat, aber auch ein Tag, der die absolute Gerechtigkeit Gottes darstellt, der die Sünde hart straft, aber den Sünder begnadigt. Seit Anbeginn der Menschheit, seit der ersten Verfehlung stand fest, dass die Sünde nicht ungestraft bleibt und dass der Tod die Strafe für die Sünde ist.
Aber hatte Gott die Menschen für den Tod geschaffen? Nein! Für das Leben und für die Gemeinschaft mit ihm hatte er sie geschaffen. „Was unser Gott geschaffen hat, das will er auch erhalten! Darüber will er früh und spat mit seiner Güte walten!" (EG 326) Hätte aber jemals jemand daran gedacht, dass Gott seinen Plan zur Rettung der Menschen auf diese Art ausführen würde? Die Propheten haben bereits andeutungsweise davon gesprochen, besonders der Prophet Jesaja: „Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen! Er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünden willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten!" (Jes. 53, 4a.5;)

 

Nicht allein der grausame Tod Jesu macht den Karfreitag zum „Tag des Schreckens", sondern vielmehr die Ursache für dieses furchtbare Leiden und Sterben, weil alle Menschen darin verwickelt sind, alle Menschen, die seit Anbeginn der Welt gelebt haben und alle, die bis zum Ende der Welt leben werden. Für all diese Menschen aber gelten die Worte des Propheten Jesaja: „Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten!"

 

Bei allem grausamen Geschehen dieses Tages ist der Karfreitag auch ein Tag tiefsten Dankes, weil Gott durch das unschuldige Leiden und Sterben seines Sohnes Jesus Christus die Menschen vor dem ewigen Tod und vor der ewigen Verdammnis bewahrt hat und allen, die unter das Kreuz Christi treten, die Chance eines neuen Anfangs gegeben hat. Gott ließ zwar seinen Sohn für die Sünden der Menschen sterben, aber er will nicht den Tod, sondern das Leben, wie er nach drei Tagen in der Auferstehung Jesu Christi von den Toten gezeigt hat. Deshalb dürfen wir trotz aller Schrecken des Karfreitag an diesem Tag sprechen: „Wir danken dir, Herr Jesu Christ, dass du für uns gestorben bist und hast uns durch dein teures Blut gemacht vor Gott gerecht und gut."

 

GÜNTER L. NIEKEL

 

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