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Wort zum Pfingstfest 2015

Wort zum Pfingstfest

Was fällt ihnen zu Pfingsten ein?

Na Pfingstferien, Pfingstausflug oder ein Pfingsturlaub - gute Sache!
Und weiter? Weiter - was weiter?

Wenn die Umfragen zutreffen, dann wissen 2/3 der Bevölkerung in Deutschland nicht mehr was es mit dem Pfingstfest auf sich hat.


Und als die Interviewer das Rätsel lösten mit der Aussage „Da ist der Heilige Geist auf die ersten Christen gekommen" reagierten die meisten Befragten: „Kann ich nichts mit anfangen!" „Heiliger Geist - was'n das für'n Quatsch? Ne Taube?" Immerhin, die Symbolik von Pfingsten kannten noch einige. Aber die Sache der „Ausgießung des Heiligen Geistes" war fast allen fremd.


Andererseits ist unsere Alltagssprache voll von Aussagen über Geist und Geister: Wir reden vom Geist der Freundschaft, der Freiheit, des Friedens, vom Geist der Wahrheit und der Lüge, vom Zeitgeist usw. Wir reden von großen und kleinen, starken und schwachen Geistern, wenn wir betonen: Das ist ein großer und starker, das aber ist ein kleiner und schwacher Geist. Wir reden von Geistesgegenwart und Geisteskraft, von guten und bösen Geistern - und auch vom göttlichen Geist.


Aber trotzdem: Das Pfingstwunder und der Heilige Geist bleiben den meisten ein Buch mit sieben Siegeln. Pfingsterfahrungen und Pfingstsymbolik sind der Mehrheit verschlossen. Zwar gehört die weiße Taube heute zu den beliebtesten Symbolen. Aber man kennt sie nur in der Version Picassos mit dem Palmenzweig im Schnabel als Symbol des Friedens, nicht des Heiligen Geistes.

 

Der Geist von Pfingsten ist der Geist der Freiheit. Er befreit vom lähmenden Blick nur auf sich selbst. Er weitet den Blick auf das ersehnte Glück im respektvollen und wohlwollenden Miteinander unter uns Menschen. Er lenkt den Blick über unsere Tage hinaus, auf Gottes neue Welt. Die Bibel weist uns auf diesen Geist der Freiheit hin: „Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit" (2.Kor.3.17) und „Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Lasst euch nicht wieder unter das knechtische Joch fangen!" (Gal.5.1).


Welcher Geist treibt Sie und mich? Ist es der Geist von Pfingsten, der uns treibt?
Er will uns befreien von knechtischen Bindungen und Reaktionsmustern wie: Das war schon immer so. Wie du mir so ich dir. Jeder ist sich selbst der Nächste. usw.
Er will uns befreien von Ängsten und Mutlosigkeit wie: Das kann ich nicht. Da bin ich zu jung, zu alt. Die anderen sind viel besser als ich. Da kann man nichts machen. usw.
Er will uns befreien von Aussichts- und Hoffnungslosigkeiten wie: Ich bin am Ende. Was kann ich schon dagegen machen. Geld regiert die Welt. Die da oben machen doch was sie wollen. Ich sehe keinen Sinn in meinem Leben. usw.

 

Pfingsten ist das Fest unserer Befreiung, unserer Reife, unserer Volljährigkeit und Mündigkeit. Pfingsten begründet ja eine neue Gemeinschaft im Geiste Gottes und wird nicht umsonst als der Geburtstag dieser neuen Gemeinschaft, der Kirche gefeiert.
Diese neue Gemeinschaft ist eine Gemeinschaft von freien, souveränen, mündigen Menschen, die ihr Glück im geschwisterlichen Miteinander, in einem Leben im Einklang mit Gottes Schöpfung sehen und ihre Hoffnung auf Gottes neue Welt setzen. Das macht der Geist Gottes, der Geist von Pfingsten aus uns, wenn es in uns geschieht, in uns Wirklichkeit wird.

 

Heinrich Förthner, Diakon

 

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