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Reformation - Aufstehen gegen die Angst 2015

Wort zum Reformationsfest

Angeblich 365 soll es in der Bibel stehen: Das "Fürchtet euch nicht" . Also für jeden Tag einmal im Jahr. Und wie mit großen Buchstaben steht über Luthers Neuaufbruch vor 500 Jahren dieses "Fürchtet euch nicht !" Mit den Hammerschlägen, mit denen er seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg nagelte, damit drosch er ja sinnbildlich auf eine falsche Lehre von Gott ein. "Was habt ihr aus Gott gemacht ?" fragte er seine Kirche damals. Ihr habt aus Gott einen Angstmacher, einen furchterregenden Götzen gemacht. Einen Richtergott, den ihr meint, mit Geldleistungen bestechen, mit selbstquälerischen Übungen milde stimmen zu können. Und , ihr Christenmenschen, was habt ihr darüber aus euch selbst gemacht ? Angstzerfressene Kreaturen, die sich abergläubisch an alles klammern, was ihnen gegen diesen Gott helfen kann: an Ablassbriefe, Reliquien, Beschwörung der Heiligen.

 

"Fürchtet euch nicht!" Das war Luthers wiederentdeckte Botschaft der Bibel. Das Evangelium von Jesus Christus, der "süßen Wundertat" Gottes, der doch ein liebender Vater ist, der seinen Sohn hineingibt in diese verlorene Welt, um die Sünder gleichsam huckepack heimzutragen ."Er sprach zu mir: Halt dich an mich/ es soll dir jetzt gelingen."

Die Reformation ist ja eine Christusbewegung. Malte Luther der Christenheit mit neuen kräftigen Farben wieder vor Augen, worauf es wirklich ankommt: in Christus, seinem Tun und Reden -und nur da !-, Gott zu erkennen, Gott der Mensch geworden ist, der sich klein macht bis er in einer Krippe im Stall Platz hat und dann am Kreuz für uns stirbt, um uns in seiner Auferstehung mitzureißen in ein Zukunft, die Sünde und Tod nicht mehr verdüstern können. - Diesen Gott kann ich lieben und vertrauen. Ihn allein soll ich auch ganz ernst nehmen, mich auf ihn hin ausrichten, mich ihm ganz in die Hände ausliefern.

 

Martin Luthers hat es erlebt, wie das biblische "Fürchtet euch nicht" ihn getragen hat, wie es ihm Freiheit und Befreiung gebracht hat.

In dem vor einigen Jahren gedrehten bemerkswerten Lutherfilm gibt es eine anrührende Szene: Der junge Mönch Luther verfällt vor dem Reichtstag in Worms, wo er Rechenschaft ablegen soll und muss, in tiefe Anfechtung. Kann es sein, dass er allein recht haben soll gegen die offizielle Kirche? Er fühlt sich in der Nacht geplagt vom Teufel, der ihm seine Sündhaftigkeit und Kleinheit vor Augen führt. Da tritt sein väterlicher Lehrer und Ordensoberster Staupitz zu ihm, legt Luther das Kreuz, das Zeichen Jesu in die Hand und lässt ihn einen kurzen Satz sprechen. "Dein bin ich, o Herr." - Dein bin ich, o Herr. Dir gehöre ich, Herr Jesus, heißt das. Und darauf wird Luther ruhig und hat dann den Mut aufzustehen und vor Kaiser und Reich vor Bischöfen und Fürsten seinen Glauben zu bekennen mit einem Gewissen, das befreit von Menschenfurcht allein in Gottes Wort gebunden ist.

 

Und das ist ja die immer neue Herausforderung auch in unserem Leben. Dass wir das nicht aus dem Herzen verlieren, diese Wahrheit unseres Lebens: "Dein bin ich, o Herr." Und dass wir dann mutig in unser Leben gehen. Mutig sind gegenüber manchen Teufeln und Mächtigen, auch den modernen Meinungspäpsten und Zeitgeist-Kaisern, die mit "groß Macht und viel List" unsere Seele erobern, aushöhlen wollen mit ihrem Eingeflüster, unser Sein, unser Selbstwert speise sich aus dem, was einer hat, was einer kann, was einer besitzt an Geld und Gut , die neue Religion des perfekten Aussehens, der weggelifteten Falten, wegoperierten Tränensäcken, begradigten Nasenrücken.

 

Dein bin ich o Herr, und diesen Herrn stören weder mein Sünden - noch

erst recht nicht mein Fettpolster.....

In Christus hat Gott sein Herz so weit geöffnet, sich nicht zurückgehalten - darum darf er erwarten, dass wir das nun auch tun: bekennen, wem wir gehören, aussprechen, was unsere Hoffnung und Stärke ist, woher wir den Maßstab für richtig und falsch haben Und uns nicht ängstlich verstecken als Christ auch in den Fragen des öffentlichen Lebens, der Politik. Uns zu ihm bekennen auch ganz schlicht durch den Besuch der Gottesdienste zu seiner Ehre. Und nicht den Abendmahlskelch wie Sauerbier stehen lassen. Lutherisch ist das nicht.

 

Danken wir Gott, dass er uns durch das Wirken der Reformatoren wieder einen klaren, unverstellten, unverfälschten Blick in sein liebendes Herz geschenkt hat. Und wer da hineinblickt, der, die kann doch eigentlich gar nicht mehr anders als sagen und bekennen: "Dein bin ich , o Herr". Und danach leben. Tapfer, furchtlos und in Freude, zu einem solchen Herrn zu gehören.

 

Detlef Meyer, Pfarrer in Merkendorf

 

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