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Wo ist der Himmel für uns? Wort zum Himmelfahrtstag 2016

Wort zum Himmelfahrtstag

Kirchliches Wort zum Himmelfahrtstag 2016

Wo ist der Himmel für uns?

„So schön wie hier kann‘s im Himmel gar nicht sein!" - So lautet der Titel des Buches von Christoph Schlingensief, in dem der Autor, Regisseur und Künstler tagebuchähnlich die letzten, von einer Lungenkrebserkrankung geprägten Monate seines Lebens beschreibt.

„Ich schaue aus dem Fenster und staune, als hätte ich noch nie Sonne und Wolken gesehen." Aus diesen Sätzen hören wir heraus, wie jemand angesichts des eigenen Todes anfängt, die so genannten Kleinigkeiten des alltäglichen Lebens wieder wertzuschätzen - ja diese überhaupt wahrzunehmen. Schlingensief kommt dann aber zu dem Schluss: „Ich habe keinen Bock auf den Himmel. Ich habe keine Lust auf diesen Geheimklub, wo man milde lächelnd auf die Erde guckt, wo man nur Harfe spielt und singt."

 

Das ist verständlich. Aber das ist auch nur dann verständlich, wenn man glaubt, dass der Himmel „dort oben" ist, über den Wolken - dort, wo die Zeit auch „Ewigkeit" genannt wird, also endlose Langeweile darstellt.

Wie völlig anders lebt uns Jesus das vor: geboren werden, in Gottes Segen und Geborgenheit leben, sterben, ins wahre Leben hinein auferstehen und schließlich daheim ankommen - an dem Ort, der absolute Gottesnähe und -liebe verkörpert. Ein Ort der Freude, der Wärme und der Herrlichkeit, an dem alles, was man auf dieser ersten Erde erleben kann, noch weit überboten wird.

Das Leben der Christen in der Nachfolge Jesu ist sozusagen ziel-orientiert. Wir dürfen unser Leben auf ein Ziel hin Leben. Also nicht - wie man oft hört: Alles wird immer schlechter, das Leben verliert am Schluss seinen Sinn, meine Kräfte schwinden, mein Einfluss auch ... -
Sondern: Am Ende ist das eigentliche Ziel in Sicht. Er selbst, Jesus, kommt mir entgegen. Weil er den Weg schon vorgegangen ist und meinen Weg vorbereitet hat: Leben, Sterben, Gottesnähe in Herrlichkeit.

 

Spuren, Hinweise, Eindrücke davon sind hier in unserem alltäglichen Leben reichlich zu spüren von dieser Gottesnähe und -liebe: das kleine Glück des Alltags, Menschen in meiner Gemeinde, Liebe, Treue und Fürsorge, die Freude an der Natur und vieles, vieles mehr. Da kann man schon zu Lebzeiten den Himmel aufleuchten sehen an ganz vielen Stellen, oft auch unerwartet und überraschend.

 

Wie schade, denke ich, dass es in der deutschen Sprache nur ein Wort für den Himmel gibt! Im Englischen heißt der Ort der Wolken und des Wetters, des Sauerstoffs, der Atmosphäre und der Flugzeuge „sky". Im Gegensatz dazu bedeutet „heaven" den Himmel, in dem Jesus jetzt zuhause ist - dort, wo unsere Erfüllung liegt und unser Ziel, wo unsere Hoffnungen und Sehnsüchte ihre Erfüllung finden. Jesus ist daheim angekommen beim Vater im Himmel. Und dieser Himmel ist immer auch schon jetzt und hier - bei uns - und ganz nah, manchmal sogar deutlich spürbar.

 

Ach ja, „Vatertag" ist ja auch noch an diesem besonderen feierlichen Donnerstag! Das stimmt auch: Jesus geht wieder nach Hause zu seinem Vater. Sein Wirken auf unserer Erde hat ein vorläufiges Ende gefunden. Seine Mission ist abgeschlossen. Sein Platz ist im Himmel auf dem Thron neben Gott, dem Vater. Er regiert (wieder) über das gesamte Weltall.

In diesem Sinne einen fröhlichen und gesegneten Gott-Vater-Tag! Ihm sei Lob, Dank und Ehre!

 

Pfarrer Karl-Heinz Brendel

 

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