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Dekanat Gunzenhausen  |  E-Mail: info@dekanat-gunzenhausen.de  |  Online: http://www.dekanat-gunzenhausen.de

Wort von Dekan Mendel zur aktuellen Situation

Dekan Mendel

Vereinzelung, wo immer es geht

 

„Es ist schon verrückt!" - So lautet ein oft gebrauchter Ausspruch, wenn wir mit neuen Anordnungen wegen dem Corona-Virus konfrontiert werden.

 

Die Zahl derer, die sorglos den Kopf in den Sand stecken, hat bis auf ein paar unverantwortliche Ignoranten, stark abgenommen. Wir sind mit einem Geschehen konfrontiert, das unter den Bedingungen dieser globalen Welt zu den nicht auszuschließenden Möglichkeiten gehört. Der unsichtbare Feind, ein winziges Virus, verändert unsere Sicht auf diese Welt. Wir leben in einer globalen Schicksalsgemeinschaft. Ich denke dabei an das Bild des Apostels Paulus von dem einen Leib mit seinen vielen Gliedern.

 

Verrückt scheint alles, was wir im Moment hören und erleben; verrückt im Sinne von abgerückt von dem, was normal schien. Wie lange dieses Verrückte gehen wird, wissen wir nicht. Verlauf und Ausgang sind ungewiss. Früher haben Menschen öfters unter ihre Pläne  zwei Buchstaben gesetzt: C.J. Diese Abkürzung steht für Conditio Jacobea. Zu Deutsch: Die Bedingung des Jacobus. Das CJ geht auf den biblischen Brief des Jakobus zurück. Er warnt vor allzu großer Selbstsicherheit und schließt mit der Bemerkung: „So Gott will und wir leben." (Jakobus 4,15). Eine demütige Einschränkung aller Pläne. Inzwischen ist dieses CJ aus der Mode gekommen, haben wir uns doch eine Welt erkämpft, die relativ verlässlich schien.

 

Nun sieht die Welt anders aus. Viele unserer Pläne fallen auf unbestimmte Zeit in sich zusammen. Wir erleben einen gewissen Kontrollverlust. Für uns alle bringt die gegenwärtige Situation Veränderungen in der Lebensgestaltung. Manche haben Angst. Große Einkäufe haben viele getätigt, um auf Nummer-Sicher zu gehen. Manche lassen sich unaufhörlich informieren, manche fordern Orientierung. Vieles ist verrückt, abgerückt von dem, was normal galt und gilt.

 

Wie können wir mit all dem umgehen, gerade auch als Christen?

Es scheint im ersten Augenblick widersprüchlich. Vereinzelung um der Gesellschaft willen wird gefordert. Nicht nur aus den Bereichen der Politik und Medizin ist diese Aufforderung zu hören. Auch die Kirchen schließen sich vollumfänglich an. Schwer zu akzeptieren, wo es doch in unseren Gemeinden darum geht, Menschen zusammenzubringen durch das gemeinsame Hören auf das Wort Gottes, durch gemeinsamen Gesang und Gebet, durch Gespräche miteinander.

 

Nun sollen wir das Gegenteil tun: Vereinzelung, indem wir Abstand voneinander halten, obwohl in Krisenzeiten jeder anteilnehmende und schützende Gemeinschaft bräuchte. Üblicherweise rücken wir in Krisenzeiten zusammen, nach Katastrophen sind Kirchen voll gewesen. Jetzt wäre das lebensgefährlich. Gottesdienste finden in der nächsten Zeit nicht statt. Diesen Gegensatz gilt es jetzt auszuhalten. Um der Gemeinschaft willen geht es jetzt darum durch Abstand einander zu schützen. Gemeinschaftliches und schützendes  Handeln erweist sich im Abstand halten. Eingeübtes Verhalten muss verändert werden. In Zeiten des Abstands voneinander suchen wir nach neuen Formen.

 

Nächstenliebe bleibt unser Maßstab.

 

Ich erlebe meinen Körper neu. Bedroht, hoffentlich stark. Mein Körper erscheint mir zeitweise fremd, er könnte mit mir machen, was er will.  Andererseits  erfahre ich den Wert des eigenen Körpers als Träger des Lebens intensiver, erfahre Einheit von Körper-Seele-Geist.

 

Wenn wir Christen jetzt zu etwas berufen sind, dann zu Umsicht und Besonnenheit, weil wir Glaubende sind.

Bitte wenden Sie sich gerne an ihre Pfarrer und Pfarrerinnen, wenn Hilfe notwendig oder Gesprächsbedarf vorhanden sein sollte. Wir werden im Zusammenwirken mit vielen anderen versuchen zu helfen. Vereinzelung  bedeutet nicht automatisch Vereinsamung.

In vielen Gemeinden läuten um 12 Uhr und um 18 Uhr die Glocken und rufen zum Gebet daheim auf. Vielleicht denken Sie an diese Zeiten und reihen sich ein in die unsichtbare Zahl derer, die im Gebet miteinander verbunden sind.

 

Bleiben Sie gesund und achten Sie auf sich und die Ihren!

Fühlen Sie sich behütet, weil wir alle von Gott Gesegnete sind.

 

Ihr Dekan

Klaus Mendel

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