Zum Inhalt (ALT-C)
Zur Navigation (ALT-N)
Zur Startseite (ALT-S)

Dekanat Gunzenhausen  |  E-Mail: info@dekanat-gunzenhausen.de  |  Online: http://www.dekanat-gunzenhausen.de

Das Wort zum Osterfest 2012

Das Wort zum Osterfest

Hoffnung und Vertrauen - Gedanken zu Ostern

Spricht Jesus zu ihr: Frau, was weinst du? Wen suchst du? Sie meint, es sei der Gärtner, und spricht zu ihm: Herr, hast du den Leichnam weggetragen, so sage mir, wo du ihn hingelegt hast; dann will ich ihn ho­len. Spricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und spricht zu ihm auf Hebräisch: Rabbuni! Das heißt: Meister! (Johannes 20, 15 - 16) Maria aus Magdala war drei Jahre lang mit Jesus unterwegs gewesen. Dann hatte sie ihn verloren. Sie hat­te miterlebt, wie er am Kreuze starb. Hatte selbst mitgeholfen, den Leich­nam in Leinwand zu hüllen und in das Felsengrab zu legen. Dorthin zum Grabe ihrer Hoffnung kam sie wieder zurück. Aber der Leichnam war nicht mehr im Grab. Das Grab war leer. Erschütterung, Entrüstung überwältigten sie. Der Boden unter ihren Füßen gab nach. Sie hatte den Ort verloren, an dem sie trauern konnte.


Da begegnet ihr ein Mensch, sie er­kennt ihn nicht, der Gärtner viel­leicht. Weiß er wo der Leichnam ist? Sie fragt ihn. Da hört sie ihren Na­men: Maria. Sie hört ihn mit dem Klang der Stimme, die so viel Ver­trauen in ihr Leben, in ihre Seele hi­nein ausgegossen hat. Sie erkennt sich selbst im Klang dieser Stimme; sie ist nicht mehr allein; sie hört ihn, erkennt ihn: Jesus in der tiefsten Nähe, im Herzen ihres Wesens. Und da dreht sie sich zu ihm um und sieht ihn, erkennt ihn. Mit dem Klang sei­ner Stimme in ihrem Herzen bricht eine Quelle des Lebens, der Zukunft, der Hoffnung in ihr hervor. Rabbuni - er ist wieder da in ihrem Leben. Und dadurch tut sich vor ihr ein wei­ter Raum auf. Sie spürt den Boden unter ihren Füßen wieder. Ihr Name ist wieder genannt. Sie kommt wie­der vor. Die Bedeutung, der Wert ih­res Lebens war zurückgekehrt.


Sind wir fertig mit der Kirche, dem Evangelium, mit Jesus? Würden wir es merken, wenn er uns verloren geht? Sind wir fertig mit der alten Botschaft, die einmal froh war und merken nicht, wie der Boden unter unseren Füßen nachgibt? Wie unser Name durch eine Ziffernfolge, unser Wert durch Erfolg, unsere Zukunft von einem Aufzug ersetzt werden, der nicht selbstverständlich noch ei­nen Platz für uns frei hat? Maria aus Magdala wusste, was sie verloren hatte, wusste was sie suchte. Sie ver­stand, worum es ging als sie ihren Namen hörte: Um ein Leben auf duf­tender Erde, um Hoffnung und Ver­trauen. In ihrem auferstandenen Herrn Jesus traf sie das Leben von Neuem.


Die Geschichte von Jesus endet ei­genartigerweise nicht mit seinem Tod. Sondern mit seiner Auferste­hung. Das ist wie ein Doppelpunkt. Ein Doppelpunkt vor einer neuen Geschichte. Eine Geschichte, die von uns und dem Auferstandenen han­delt. Wird sie eines Tages erzählt werden? Der erste Teil ist schon fer­tig: Ostern. Jesus ist auferstanden. Den zweiten schreiben wir selber.

MATTHIAS KNOCH, Pfarrer in Gräfensteinberg.

 

Quelle: Altmühl-Bote, Ausgabe 07.04.2012

Horst Kuhn

Öffentlichkeitsreferent

drucken nach oben